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Altersmundart

"Otto hatte erfahren, daß Kinder in Unterhaltungen beim Mittagessen weit
besser und mehr lernen als durch Bücher oder in Schulstunden."

(Henningsen, Jürgen: Berthold Otto. In: Scheuerl, Hans (Hg.): Klassiker der Pädagogik Bd. 2. München 1991)

Während seines Gesamtunterrichts stand daher das Gespräch im Mittelpunkt des Lehrens. Der Unterricht orientierte sich an dem, was die Kinder fragten, was sie wirklich interessierte. So wurden Unterrichtsthemen weder nach einer bestimmten Reihenfolge noch nach Alter oder Reife arrangiert; sie bauten auch nicht
aufeinander auf. Der Unterricht war dementsprechend jahrgangs- und fächerübergreifend, die Themen wurden nach der Motivation und den Interessen der Schüler ausgewählt. Lerngegenstände wurden so aufbereitet, dass sie für Kinder gut verständlich waren.

Der Begriff Altersmundart beschreibt demzufolge eine vereinfachte Darstellung von Kompliziertem, so dass es Kinder lesen können und gern lesen.

„Einen großen Bruchteil dessen, was wir aus Büchern gelernt haben, was wir fest und sicher zu wissen meinen, haben wir selber nicht verstanden. Sicher, es verstanden zu haben, sind wir erst dann, wenn wir es jedem Kinde auseinander-setzen können. Sind wir uns wirklich klar über die Sache, dann gelingt es erstaunlich leicht, sie den Kindern klar zu machen.”

Dieses Zitat zeigt Berthold Ottos Ablehnung alles Unklaren und Undurchdachten, seinen Gegensatz zu allen Scheinbegriffen und Schlagwörtern in Leben und Schule. Otto war der Ansicht, dass die Sprache sich im heranwachsenden Kinde von innen her im Prozeß seiner geistigen Entwicklung entfalte und ihr eigenes Wachstum habe, so dass das zehnjährige Kind auf einer anderen sprachlichen Entwicklungsstufe stehe als das achtjährige Kind. Jedes Lebensalter hat also seine Art zu sprechen.

In seiner Denkschrift über Entstehung, Zweck und Entwicklungsmöglichkeiten der Berthold-Otto-Schule (1922) beschreibt Berthold Otto, wie er zu dieser Erkenntnis gelangte:

„Meinen Kindern verdanke ich aber dann noch etwas sehr Wesentliches und Wichtiges. Bei der knappen Zeit musste ich besonders darauf bedacht sein, die Antworten so zu geben, dass sie möglichst rasch verstanden wurden. Ich bemerkte, dass das am schnellsten ging, wenn [ich] nur Wörter und Satzformen brauchte, die ich von den Kindern selbst gehört hatte; d.h. ich tat das zunächst unbewusst und wurde erst hinterher darauf aufmerksam. Dabei fiel mir der Unterschied nicht nur des Wortschatzes, sondern auch der Satzformen in den verschiedenen Lebensaltern auf, d.h. ich bemerkte, dass ich dieselbe Frage dem jüngeren Kinde anders beantwortete, als ich sie vielleicht kurz vorher dem älteren beantwortet hatte.”

Der Begriff "Mund-art" bezog sich also auf die Altersstufen. Berthold Otto sprach von „Altersmundart” oder „Kindesmundart”. Er fand es demnach falsch, das Kind zu einer Sprach- und Schreibweise zu veranlassen, die ihm nicht entspricht. Das, was dem Kind sprachlich in Wort und Buch angeboten werde, müsse ihm unverständlich sein und dadurch seine Sprachentwicklung stören. Daher müsse zunächst einmal sein natürliches Sprechen und Schreiben ernst genommen werden, und es müsse mit ihm auch so gesprochen werden, wie es seiner Altersmundart entspreche. Ein guter Sprachunterricht sei dadurch gekennzeichnet, dass er die Struktur der Sprache und ihre Katgeorien bewusst macht und dadurch das Sprechen und Schreiben verbessert - durch Selbstverbesserung und auch durch Korrektur anderer.

Auch in dieser Hinsicht wiederholt sich also Berthold Ottos gesamtunterrichtliches Prinzip des Bewusstmachens der Kategorien des Denkens mit den Mitteln des Gesprächs, welches durch den Lehrer einfühlsam geführt werden muss - weit mehr als eine "naive Pädagogik des Wachsenlassens": Sprechen als Wechselwirkung zwischen den Gesprächsteilnehmern und der sie umgebenden Welt.

In den Unterrichtsgesprächen folgte Otto der kindlichen Sprachentwicklung nicht einfach nach, sondern bemühte sich um eine "antizipative" und reflexiv mitgestaltende Sprachpraxis. Seine Niederschriften in der "Deutschen Schulreform" fanden großes Interesse, was letztlich zur Entstehung seiner Zeitschrift "Der Hauslehrer" führte. Bis heute wirken seine Beobachtungen und Erkenntnisse nach und haben zur Entstehung einer kindgemäßen Literatur beigetragen. Heute ist es für Erwachsene eine Selbstverständlichkeit, so mit einem Kind zu sprechen, dass es sie verstehen kann.

 

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